(v.l.) Josef Pesserl, Josef Riegler, Hermann Schützenhöfer, Hedwig Unger, Johannes Freitag, Matthias Tschirf, Klaus Poier.

„Advent als Aufbruch: christlich-soziale Orientierung in einer pluralen Gesellschaft“
Adventgespräch des Dr.-Karl-Kummer-Instituts
am Sonntag, 8. Dezember 2025, 17 Uhr,
Kleiner Saal der Arbeiterkammer, Strauchergasse 32, 8020 Graz

Das diesjährige 45. Adventgespräch des Dr.-Karl-Kummer-Instituts für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik in der Steiermark (seit 1980 rund um den 8. Dezember veranstaltet) fand am Sonntag, dem 8. Dezember 2025 im vollbesetzten Kleinen Saal der Arbeiterkammer statt. Der Obmann des Instituts Univ.-Prof. Dr. Klaus Poier erinnerte in seiner Begrüßung an den am 13. Mai des Jahres verstorbenen Gründungsobmann und Ehrenpräsidenten LH-Stv. a.D. Prof. Kurt Jungwirth, den er als inspirierenden Intellektuellen und Visionär, als weltoffenen, liberalen Katholiken und hochgeschätzten Mentor würdigte, dem das Dr.-Karl-Kummer-Institut über das von ihm initiierte erfolgreiche Format der Adventgespräche hinaus unzählige geistige Impulse und bereichernde Begegnungen verdankt. Den Festvortrag hielt Weihbischof Mag. Johannes Freitag, MBA zum Thema „Advent als Aufbruch: Christlich-soziale Orientierung in einer pluralen Gesellschaft“.

„Die christlich-soziale Orientierung ist kein politisches Programm, sondern eine Haltung, eine Art, in der Welt zu stehen.“ So formulierte Weihbischof Johannes Freitag die Antwort auf die Ausgangsfrage seines Vortrags: „Wie kann der Glaube öffentlich wirksam bleiben, ohne sich aufzudrängen? Wie kann er inspirieren, ohne zu dominieren?“ Anhand der von Papst Leo XIII. – zugleich Namensgeber für den amtierenden Papst – in seiner Enzyklika „Rerum Novarum“ (1891) genannten Grundprinzipien der Katholischen Soziallehre legte der Weihbischof konkrete Impulse für christlich-soziales Handeln dar. Dieses bedeute, sich in Verantwortung rufen zu lassen – „aus der Hoffnung heraus, dass die Welt veränderbar ist“. Die Grundprinzipien der Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit bezeichnete Weihbischof Freitag dabei als „Leitsterne, die uns gerade im Advent Orientierung schenken“ für christlich-soziales Handeln in einer Gesellschaft, die immer pluraler, vielfältiger, aber auch unruhiger geworden sei. Gerade die Solidarität – „Wir für alle verantwortlich“ (Papst Johannes Paul II.) – sei ein „Korrektiv gegen die Versuchung des Individualismus“, ein kraftvolles Gegensignal mit einem „Nein zu Gleichgültigkeit und Ja zur Verbundenheit“.

Der Grazer Weihbischof würdigte in seinem Vortrag auch die Demokratie als Ort ethischen Ringens, die Orientierung an einer ethischen Richtschnur brauche, und nannte hier Achtung der Menschenwürde, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung. Er ermutigte zu christlichem Engagement in der Politik und erinnerte daran, dass Christinnen und Christen in der Politik das einbringen würden, was die Gesellschaft heute am meisten brauche: Vertrauen, Geduld, Glaube an den Menschen und die Überzeugung, dass jedes Leben zählt.

Abschließend betonte Weihbischof Mag. Johannes Freitag, MBA den Wert der Synodalität für den Lernort Demokratie. Die synodale Haltung als geistliche Grundhaltung des Hörens aufeinander fördere auch die demokratische Kultur: „Gespräch statt Polarisierung, Respekt statt Rechthaberei, Zuhören statt Schlagwort“. „Vielleicht“, so der Grazer Weihbischof in seinem Schlusswort, „ist das die wichtigste adventliche Tugend: Hören, bevor wir handeln“.

Josef Pesserl dankte in seinem Grußwort dem Dr.-Karl-Kummer-Institut für sein Engagement im Sinne der sozialen Gerechtigkeit.

Im Rahmen der Veranstaltung fand auch eine Preisverleihung für hervorragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten mit thematischen Bezügen zu Sozial-, Wirtschafts- und Familienrecht sowie -politik statt. Der seit 1995 verliehene Hans-Vollmann-Preis, benannt nach dem 1994 verstorbenen steirischen NRAbg. und politischen Weggefährten des Sozialpolitikers Karl Kummer, wurde an Frau Carmen Oberreßl, MSc MA MA für ihre Masterarbeit „Remote Work: Verantwortungsvolles, ortsunabhängiges Arbeiten der Zukunft?“ und an Frau Mag.a Dr.in Anna Zaversky für ihre Dissertation „Der Europäische Gerichtshof und Urlaubsrecht: Das Urlaubsgesetz 1976 im Lichte der unionsrechtlichen Vorgaben“ überreicht. Der 2018 gestiftete
Dr.-Karl-Kummer-Preis für Familienpolitik wurdean Frau Mag.a Theresia Maria Oitzl für ihre Diplomarbeit „Zivilrechtliche Probleme der Geschlechtsumwandlung bei Minderjährigen“ und an Herrn Mag. Daniel Wolfinger für seine Diplomarbeit „Die Umsetzung der sog Work-Life-Balance-Richtlinie im Landarbeitsgesetz 2021“ verliehen. Die Laudationes hielten Obmann-Stellvertreter Univ.-Prof. Dr. Thomas Gremsl und Gf. Dr.in Hedwig Unger.

Fotos © Johanes Steiner