Willkommen beim Kummerinstitut

1979 wurde das Karl-Kummer-Institut für Sozialpolitik und Sozialreform in der Steiermark reaktiviert. Seit damals hat es sich in Vorträgen, Diskussionen und Publikationen zu gesellschaftlich wichtigen Fragen zu Wort gemeldet. Dies im Geiste Karl Kummers (1904-1967), des großen Sozialreformers, der im Sinne der katholischen Soziallehre sowohl als Vordenker als auch als Politiker – zuletzt als Nationalrat der ÖVP – wirkte. Als Christ glaubte er an jeden einzelnen Menschen als Person, die befähigt ist zu werten, also zu unterscheiden, was richtig und wichtig ist und was nicht, und dabei den eigenen Egoismus einzubremsen und auch den Nächsten zu respektieren.

Wir glauben, dass es gerade in der heutigen Orientierungslosigkeit gut ist, in diesem Sinne tätig zu sein. Zu Karl Kummers Zeit war die große Politik von der Spannung zwischen zwei übermächtigen Kräften bestimmt. Nach dem Untergang des Kommunismus, will heute der klassische, international dominierte Kapitalismus das Glück der Menschen auf Erden. Das Instrument dafür soll der freie Markt sein. Dort regiert aber das Recht des Stärkeren. Europäische Politiker waren es, die versuchten und immer wieder versuchen, den Kapitalismus zu reformieren und ihm menschliches Antlitz zu verleihen. So entstand der Begriff der sozialen Marktwirtschaft. Der Mensch soll frei wirtschaften dürfen, aber Politik muss die Auswüchse eines Systems korrigieren, in dem zu viele auf der Strecke bleiben.

Heute ist diese Korrektur durch Politik auch angesichts zunehmender Globalisierung schwach geworden. Wir wollen in unserer Arbeit diese Entwicklungen kritisch betrachten und Grundlagen für eine erfolgreiche Sozialpolitik der Zukunft schaffen.

Leistung und Katholische Soziallehre – Ein Widerspruch?

Die jüngste Publikation in der Reihe „Gesellschaft&Politik“ des steirischen Dr. Karl-Karl-Kummer Instituts wurde am 19. April in der Grazer Capital Bank präsentiert.

Graz, 19. April 2018. „Vor Gott zählt nicht die objektive Leistung. Gott sieht das Herz, der Markt kann das nicht.“ Mit dieser Formulierung thematisierte Bischof Alois Schwarz die wesentliche theologische Differenzierung zwischen leistungsorientierter subjektiver Disponierung und notwendigen objektiven und leistungsfördernden Rahmenbedingungen. Dabei betonte er auch die sinnvolle Unterscheidung zwischen einem technokratischen Leistungsbegriff und einem biblisch inspirierten fruchtbarem und kreativem Engagement für das Gemeinwohl. Menschen sollten natürlich ihre Talente einsetzen, „aber wir spüren es, wenn wir auf unsere Leistung reduziert werden.“

Der Vortrag des österreichischen Wirtschaftsbischofs stand unter dem Leitwort „Leistung aus christlicher Sicht“ und fand im Rahmen der Buchpräsentation „Leistung und Soziallehre – ein Widerspruch?“ des Dr. Karl-Kummer-Institut Steiermark in der Grazer Capital Bank statt. Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender der Capital Bank und Präsident des SK Sturm Graz, verwies in seiner Begrüßung auf die unterschiedlichen und teils kontroversen Sichtweisen auf den Leistungsgedanken in Wirtschaft und Religion und auf die Notwendigkeit eines darauf bezogenen offenen und differenzierten Gesprächs. Ebendiesem sei das Kummer-Institut besonders verpflichtet und leiste mit seinem auch publizistischen Engagement einen gesellschaftspolitischen Beitrag dazu, betonte Obmann Klaus Poier.

Herausgegeben wurde das Heft in der Reihe „Gesellschaft&Politik“ von den beiden Theologen Christian Lagger und Peter Rosegger, Direktor bzw. Mitarbeiter im Grazer Krankenhaus der Elisabethinen. Es beinhaltet 22 Beiträge von verschiedenen Persönlichkeiten aus Kirchen, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, wie etwa Eva Weissenberger, Sebastian Kurz, Roberta Maierhofer, Hannes Androsch, Hermann Schützenhöfer, Egon Kapellari oder Hermann Miklas.

Christian Lagger wies darauf hin, dass Papst Franziskus gesagt habe, diese Wirtschaft töte, und nicht Wirtschaft im Allgemeinen, und unterstrich besonders auch die Vielfalt der Beiträge und der damit verbundenen Zugänge zu Wirtschaft, Leistung und Gemeinwohl. „Wenn die Bergpredigt der Personalausweis der Christen ist, wie Papst Franziskus sagt, dann ist die Katholische Soziallehre ihr GPS für eine menschenwürdige Gesellschaft“, so Peter Rosegger.

Das Buch „Leistung und Soziallehre – ein Widerspruch?“ ist beim steirischen Kummer-Institut erhältlich: steiermark@kummerinstitut.at

Photo: Klaus Poier, Christian Jauk, Bischof Alois Schwarz, Christian Lagger, Peter Rosegger (v.l.n.r.) – Capital Bank/Werner Krug.